Nirgendwo stieg die evangelikale Rechte derart erfolgreich auf wie in Brasilien. Sie verhalf einem Mann ins Präsidentenamt, dessen Erbe geblieben ist: Mit dem Bolsonarismus hat sich die extreme Rechte neu formiert, ihm ist die Ideologie der Evangelikalen eingeschrieben. Diese verfolgen, gepaart mit sozialen Angeboten, ein ultrakonservatives Familienbild samt Kampagnen gegen Abtreibung oder eine selbsterklärte 'Gender-Ideologie'. Andrea Dip, deren Buch in Brasilien für Furore sorgte, geht dem Mosaik eines Kulturkampfes nach, der zeitgemäß ausgefochten wird: verankert in Gemeinden, flankiert von Influencern, national wie international vernetzt. Dip sprach mit Führungsfiguren der evangelikalen Kirchen, besuchte ihre Gottesdienste und verfolgte Parlamentsdebatten. 'Ihr Buch', so der Brasilienkenner Niklas Franzen in einem Vorwort dieser Auflage, 'erzählt nicht aus sicherer Distanz, es führt mitten hinein in das Netz des christlichen Fundamentalismus.' Für die Übersetzung erweiterte Dip das Buch, so um ein Kapitel zu 'Netzwerken zwischen Washington und Brasília'. Oder zum christlichen Zionismus: Mit einer theologischen Fixierung auf Israel greifen religiöse Überzeugungen, etwa endzeitliche Vorstellungen von der Wiederkehr Jesu, und politische Interessen ineinander. Wenngleich der Bocksgesang der evangelikalen Rechte in Brasilien lauter ist als anderswo: Angesichts ihres steigenden Einflusses auch in Deutschland liest sich das Buch als Warnsignal.
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978-3-89438-884-3

