Concordia - Internationale Zeitschrift für Philosophie 89
In der philosophischen Tradition ist die Frage nach dem originären Erscheinen methodisch an eine genetische Reduktion geknüpft, die in der Postmoderne von Archäologe und Dekonstruktion weitergeführt wurde. Die Problematik besteht dann darin, dass die Annahme ursprünglicher Gegebenheit oder Differenz von der Zeitlichkeit wie kategorialen Anschauungsbedingungen des Ego abhängig bleibt, die regressiv nicht überwunden werden können oder zu einer empirisch geprägten Transzendentalität führen. Setzt man hingegen gegenreduktiv, wie Levinas, Henry und Marion beispielsweise, bei der Unmittelbarkeit passiv selbstaffektiver Impressionabilität als originär lebendiger Subjektivität an, so lässt sich eine Meta-Genealogie konzipieren, die sowohl von diskursiv vorgegebenen Diziplineinteilungen wie hermeneutisch geschichtlichen Sinngenealogien unabhängig ist. Eine solche Meta-Genealogie als radikal phänomenologische Analyse des Erscheinens in seinem affektiv leiblichen Selbsterscheinen umfasst dann alle subjektiven Lebensbereiche wie Episteme, Ethik, Ökonomie, Kunst und Religion, die als ursprüngliche Kulturalität zusammengesehen werden können. Diese Einheit wie Vielfalt des Erscheinens versucht die Meta-Genealogie an die Unmittelbarkeit von Bedürfen/Begehren zurückzubinden, um zugleich den Zusammenhang von Schein/Realität aufzuklären, sofern in der originären Lebensaffektion Pathos/Fiktion über die transzendentale Einbildungskraft stets zusammen auftreten. Ein solches Eingehen auf die Abgründigkeit von Geburt/Tod eröffnet einen Bezug daher ebenfalls zwischen Meta-Genealogie und Narratologie als Spielräume unserer kulturellen Zukunft selbst.
Verlagsgruppe Mainz
978-3-95886-554-9

