Die gegenwärtigen Herausforderungen deutscher Mehrstimmrechtsaktien aus gesellschafts- und kapitalmarktrechtlicher Sicht (AHW 270)

Befund, Spannungsverhältnisse und Reformvorschläge

Mehrstimmrechtsaktien sind international seit vielen Jahren ein anerkanntes Instrument die Einflussmöglichkeiten bestimmter Aktionäre nach einem Börsengang zu sichern. Mit der Verabschiedung des Zukunftsfinanzierungsgesetzes im Jahr 2023 hat auch der deutsche Gesetzgeber Mehrstimmrechtsaktien für börsennotierte Gesellschaften zugelassen. Die Praxis nutzt sie jedoch seit ihrer Einführung noch nicht. Hierfür gibt es eine Vielzahl von nachvollziehbaren Gründen. Die vorliegende Untersuchung analysiert die aktuellen Herausforderungen und unterbreitet dabei konkrete Reformvorschläge. Die Konzeption von Mehrstimmrechtsaktien auf gesellschaftsrechtlicher Ebene orientiert sich hinsichtlich Ausgestaltung und Begrenzungen an anderen Rechtsordnungen. Einige der gewählten Ansätze verdienen grundsätzlich Zustimmung, während gleichzeitig deutliche Schwachstellen auffallen. Dies gilt insbesondere etwa für die unzureichende Berücksichtigung des dualistischen Leitungssystems im Aktiengesetz, welches den Sinn und Zweck von Mehrstimmrechten derzeit gefährdet. Neben dem gesellschaftsrechtlichen Reformdruck trägt auch das kapitalmarktrechtliche Umfeld zu der zurückhaltenden Praxis bei. Außenstehende Anlegergruppen und Stimmrechtsberater positionieren sich traditionell strikt gegen Mehrstimmrechtsaktien, da sie ihre eigenen Einflussmöglichkeiten beschränken. Mit Blick auf die Größe des deutschen Kapitalmarktes und die konkrete Zusammensetzung der Anlegergruppen ist zu erklären, weshalb gerade hierzulande Mehrstimmrechtsaktien auf einen besonders großen Widerstand stoßen. Unter Herausarbeitung dieser Erkenntnisse lassen sich regulatorische Verbesserungsvorschläge ableiten, welche die Interessen von Mehrstimmrechtsaktionären und den übrigen Kapitalmarktteilnehmern in einen angemessenen Ausgleich bringen. Dabei sind vor allem Anpassungen bei der Zusammensetzung deutscher Aktienindizes und geringfügige Anpassungen des aktienrechtlichen Minderheitenschutzes zwingend.

Oktober 2026, ca. 284 Seiten, Abhandlungen zum deutschen und europäischen Handels- und Wirtschaftsrecht, Bd. 270, Deutsch
Heymanns C.
978-3-452-30738-5

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