Alltag im Ausnahmezustand: 15 Jahre im Kongo
Die Journalistin Judith Raupp lebt und arbeitet als freie Reporterin und Trainerin seit 15 Jahren in Goma im Ostkongo. In ihrem packenden Buch nimmt sie uns mit zu den Menschen dort, die ihre Lebenslust und ihren Erfindungsreichtum der Gewalt, der Willkür und dem Elend entgegensetzen. Wir gehen mit ihr auf Hochzeiten und Beerdigungen, besuchen den Friseur, die Universität, Amtsstuben und Freunde im Gefängnis - immer dabei: ihr Fahrrad. Judith Raupp schildert aber auch, wie sie gemeinsam mit ihren kongolesischen Freunden Verhöre beim Geheimdienst, Razzien, Krieg, Ebola und Covid durchsteht und wie ihr die Straßenhündin Tena zu Hilfe eilt.
Das Erbe der belgischen Kolonialherrschaft lastet schwer auf dem Kongo mit seinen 110 Millionen Einwohnern. Eine Folge davon sind immer wieder aufflackernde Kriege im Osten des Landes, befeuert durch gewaltbereite Regime, niemals aufgearbeitete historische Wunden und durch den Kampf um strategische Ressourcen für die Weltwirtschaft. Millionen Kinder, Frauen und Männer wurden in den vergangenen 30 Jahren getötet. Das Sterben geht weiter, während wir ohnmächtig zu- oder wegschauen. Der Reichtum an Rohstoffen, die in unseren Handys, Laptops, E-Autos und Flugzeugen stecken, ist für die einheimische Bevölkerung längst zum Fluch geworden. Judith Raupp gewährt dank ihrer langjährigen Erfahrung im Kongo einzigartige Einblicke in die Politik und in den Alltag dieses riesigen Landes mitten in Afrika. Ohne Folklore oder Verklärung, mit scharfem Blick, aber ohne zu dramatisieren, beschreibt sie ihr Leben mit den Menschen in Goma.

