Rechtsgeschichte als Katechon

Anmerkungen zu Pierre Legendres dogmatischer Anthropologie

Pierre Legendres Denken durchzieht eine gewisse apokalyptische Note. Er befürchtet, dass die westlichen Gesellschaften 'blind in noch nie dagewesenes Unglück rennen', und sieht eine massenmörderische Welt ohne Gesetz heraufziehen. Mit 'Rechtsgeschichte als Katechon' ist die Vorstellung verbunden, dass das Studium der Rechtsbildung in Europa als eine schützende Kraft - als 'Aufhalter' - gegen den moralischen und normativen Zusammenbruch wirken kann: Lediglich 'die Rückkehr zur rechtsgeschichtlichen und anthropologischen Reflexion des Abendlandes' verspreche, so Legendre, eine drohende Katastrophe zu verhindern. Stephan Meder untersucht Legendres interdisziplinäres Programm einer dogmatischen Anthropologie mit Blick auf dessen rechtshistorische Stichhaltigkeit. Es erweist sich, trotz einiger Missgriffe, als erstaunlich robust und wissenschaftlich anschlussfähig. In herausragender Weise ist es dazu geeignet, aktuelle Krisenerfahrungen in größere kulturhistorische Zusammenhänge einzuordnen und Aufschluss über politische Prozesse der Gegenwart zu geben.

octobre 2026, env. 350 pages, Allemand
Velbrueck GmbH
978-3-95832-462-6

Autres titres sur ce thème