Erzählen – Textgenetik – Genetische Narratologie

Erzähltheoretische, editionswissenschaftliche und literarhistorische Perspektiven auf die Genese von Erzähltexten

Der Band setzt sich zum Ziel, einen disziplinübergreifenden Dialog zwischen Narratologie und Editionswissenschaft anzustoßen. Beide Fachgebiete haben sich in den letzten Jahrzehnten theoretisch und methodologisch immer weiter ausdifferenziert, doch die Frage nach ihren Schnittmengen und gemeinsamen Erkenntnisinteressen wurde bislang kaum gestellt. Weder liegen umfängliche Untersuchungen dazu vor, inwieweit Begriffe und Methoden narratologischen Arbeitens auch für die Ziele der Editionspraxis von Nutzen sein können, noch gibt es eine nachhaltige Diskussion darüber, welche theoretischen und analysepraktischen Konsequenzen sich aus den verschiedenen Formen editorischer Erschließung und Präsentation von Erzähltexten für die Narratologie ergeben.

Die Beiträge loten daher aus, welche Herausforderungen die textgenetische Erweiterung der Erzählforschung mit sich bringt, ob die Auseinandersetzung mit sich verändernden Erzählstrukturen auch eine Anpassung narratologischer Beschreibungskonzepte nötig macht. Des Weiteren richten sie die Aufmerksamkeit auf die Chancen und Schwierigkeiten, die aus der Beanspruchung narratologischer Modelle und Konzepte für die Klärung editorischer Probleme, etwa mit Blick auf die Textkonstitution oder der Präsentation von Textgenese und Fassungen, entstehen. Schließlich wird der potenzielle Mehrwert textgenetischer Betrachtung narrativer Struktur(veränderung)en in Erzähltexten für die Literaturgeschichtsschreibung abgewogen.

Die so entstandenen methodisch-theoretischen Überlegungen und detaillierten Beispielanalysen zeigen mögliche Gewinne einer weitergehenden Kooperation von Narratologie und Editionswissenschaft.

juillet 2026, 238 pages, editio / Beihefte, Bd. 58, Narratologia, Bd. 99, Allemand
De Gruyter
978-3-11-073807-0

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