Dass ich dich besser fressen kann. Rotkäppchen revisited

Enquête sur un petit malentendu

Aus dem Märchen vom Rotkäppchen haben wir vor allem die Warnung vor dem bösen Wolf, dem unbekannten Fremden aus dem Wald übernommen und die Vorstellung verinnerlicht, dass die Gefahr draußen lauert. Dabei haben sich Charles Perrault in Frankreich und die Brüder Grimm in Deutschland große Mühe gegeben, im Text Hinweise wie Kieselsteine zu verstreuen, um uns auf den rechten Weg zu führen. Doch etwas in uns wehrte sich, eine kollektive Verleugnung, und so besiegelten wir die Fehlinterpretation und verschlossen die Türen unserer Häuser. Spulen wir also zurück: Warum ist diese Großmutter so 'verrückt' nach ihrer Enkelin? Warum verrät das Kind dem Wolf so bereitwillig deren Adresse? Was könnte der Grund dafür sein, auf dem Weg herumzutrödeln und die Ankunft bei der Großmutter hinauszuzögern? Ist wirklich der Wald gefährlich und das Haus sicher? Und vor allem: Wer versteckt sich unter der Decke? Ein als Oma verkleideter Wolf - echt jetzt?! Durch ein Netzwerk von Geschichten, in denen auf verschlungenen Waldwegen Sigmund Freud, Virginia Woolf, Neige Sinno und David Lynch ebenso wie unausgesprochene Wahrheiten ihrer eigenen Familiengeschichte auftauchen, seziert Lucile Novat das Märchen und zeigt: die größte Gefahr für Kinder lauert im Haus, in der Familie. Im Anhang des Buches können sich die Leser*innen selbst durch einen Märchenplot spielen und erleben, wie es ist, nicht mehr aus dem Wald zu finden.

septembre 2026, Nautilus Flugschrift, Allemand
Edition Nautilus
978-3-96054-508-8

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