Das Grundgesetz im Spiegel des Naturrechts

Eine Untersuchung zum Verhältnis von Naturrecht und deutscher Verfassungsrechtsordnung vom Zeitpunkt des Inkrafttretens des Grundgesetzes bis in die Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung der Quellen naturrechtlichen Denkens

Die Dissertation untersucht das Verhältnis von Naturrecht und deutscher Verfassungsrechtsordnung von der Entstehung des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat 1948/49 bis in die Gegenwart. In einem interdisziplinären Ansatz, der rechtshistorische, rechtsphilosophische und verfassungsrechtsdogmatische Perspektiven verbindet, wird der Einfluss naturrechtlichen Denkens auf die Verfassungsgebung analysiert und dessen Manifestation - verstanden als "Sichtbarwerden" naturrechtlicher Spiegelungen - in zentralen Normen des Grundgesetzes, insbesondere in der Fundamentalnorm des Art. 1 GG, nachgewiesen. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass das Grundgesetz auf einem naturrechtlichen Fundament ruht, das sich zuvorderst im Menschenwürde- und Menschenrechtsverständnis der Verfassung sowie in den Wesensgehalts- und Ewigkeitsgarantien zeigt, ohne dabei einer einzelnen Naturrechtslehre exklusiv zu folgen, wenngleich eine vorsichtige Annäherung an die antik-christliche Naturrechtstradition, verstanden als Philosophia perennis, festzustellen ist. Zugleich wird aufgezeigt, dass sich die Verfassungswirklichkeit in siebeneinhalb Jahrzehnten "tätiger Verfassungsinterpretation" nach anfänglicher Naturrechtseuphorie stetig von diesem Fundament entfernt hat. Vor diesem Hintergrund fragt die Arbeit schließlich nach der Anschlussfähigkeit naturrechtlichen Denkens in der pluralistischen Gegenwart und versteht sich als Beitrag zu einem neuerlichen Dialog über die dem Grundgesetz vorausliegenden Voraussetzungen.

Oktober 2026, ca. 538 Seiten, Müller C. F. Wissenschaft, Deutsch
Müller C.F.
978-3-8114-6528-2

Weitere Titel zum Thema