Maria Sibylla Merian: Stieglitz und Mohnblume
Bekanntheit und bleibenden Ruhm erlangte die Künstlerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647 - 1717) vor allem mit ihren Werken "Der Raupen wunderbare Verwandlung" (1679) und "Metamorphosis insectorum Surinamensium" (1705). Ein wenig im Schatten dieser auch entomologisch bedeutenden Werke steht das "Neue Blumenbuch", das die aus Frankfurt a.M. stammende Künstlerin während ihrer Ehe in Nürnberg anfertigte und aus dem das Motiv für dieses leinengebundene Blanko-Skizzenbuch mit einem praktischen Gummiband zum Verschließen stammt. Es steht in einer Traditionslinie mit den Blumenbüchern, die seit dem frühen 17. Jahrhundert in Mode waren. Vor allem in den Niederlanden gelangte diese besondere Kunst zur Blüte. Blumenbücher kannte Maria Sibylla Merian auch aus ihrem familiären Umfeld: Ihr Stiefgroßvater, Johann Theodor de Bry, gab 1612 ein Florilegium heraus, 1641 ebenfalls ihr Vater Matthäus Merian (d.Ä.). So präsent auch die Vorläufer gewesen sein mögen, so wäre es doch ungerecht, das "Neue Blumenbuch" als epigonal abzutun. Entstanden als Musterbuch für ihre eigenen Zeichenschülerinnen und als Vorlage für Stickmuster, enthielt der erste, 1675 erschienene Teil nachweislich Kopien, was im Barock nicht ehrenrührig war. Der zweite (1679) und dritte (1680) Teil jedoch, aus dem diese anmutige Darstellung eines Stieglitzes mit einem zartblauen Wiesen- oder Hasenglöckchen und einer üppigen Mohnblüte stammt, sind "nach dem Leben gemahlet", wie sie selbst betonte. Erkennbar sind auch in diesem konventionellen Zusammenhang naturkundlicher Ehrgeiz und Originalität - vielleicht kann das Motiv auch zu einen Naturstudien inspirieren?
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