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Vom Festhalten und Loslassen der Welt in Jahreszeiten

Dieter Sperl führt in Vom Festhalten und Loslassen der Welt in Jahreszeiten Vorstellungen fernöstlicher Philosophie mit Erfahrun- gen aus seiner nahen Lebenswelt in einen polylogen Denk- und Empfindungsraum zusammen, verbindet unterschiedliche Spuren erzählten Lebens, die das Thema des Festhaltens (der Form) und des Loslassens (der Offenheit) aufwerfen. Die autobiographisch geprägten Szenerien, das obere Murtal beispielsweise oder den 3. Wiener Gemeindebezirk, durchweht der Spirit eines mystischen All-Bewusstseins. Traumerzählungen dienen als Quelle der Inspiration ebenso wie alltägliche Beobachtungen und Betrachtungen oder aus Tageszei- tungen Aufgelesenes. Die angeblich besten Krapfen der Steiermark oder ein der Spionage bezichtigter Belugawal gewinnen in Sperls Text nicht weniger Bedeutsamkeit als sinnreiche Reflexionen zu glückhafter oder selbstvergessener Lebensführung. Alles scheint hier miteinander verwoben, während sich identitätsstiftende Grenzen des Ichs und der Sprache in Auflösung befinden - einen Zustand von Leere und Selbstauslöschung als utopisches Ziel vor Augen. Tradierte Ordnungen, auch solche des Erzählens geraten solcher Art ins Wanken, zugleich gewinnt Dichtung Bedeutung als epistemische Praxis von eigener Kategorie. Dieter Sperls Vom Festhalten und Loslassen der Welt ist ein außergewöhnliches Kompendium über das Konstruieren eines Selbst und von dessen Geschichte und über die Achtsamkeit gegenüber der Sprache, die davon erzählt.

mars 2026, 144 pages, Allemand
Ritter Verlag
978-3-85415-702-1

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