Wenn alle über ein Medium verfügen, um die eigene Meinung zu äußern, was vermag da überhaupt noch die professionelle Kulturkritik? Die gefeierte US-amerikanische Autorin Andrea Long Chu nimmt sich in dieser Sammlung von Essays zu Literatur, Musik und Popkultur, zu Theorie, Genre und Geschlecht der Krise ihres eigenen Berufsstands an, der wie kein anderer von sich überzeugt ist und gleichzeitig gerade diejenigen geringschätzt, die ihm angehören. Sie widersetzt sich der Maßgabe, Politik und Kunst zu trennen, wendet sich gegen einen selbstgefälligen Kulturjournalismus und tritt ein für eine Kritik, die auf ihr eigenes Urteil vertraut und dabei den Sinn für Gerechtigkeit nicht verliert. Mit dem ihr eigenen Witz schafft sie damit nicht nur ein herausforderndes, sondern auch ein unterhaltsames Buch.
In Autoritätgeht Andrea Long Chu zu den Anfängen der Kritik während der Aufklärung zurück, führt von dort aus zur Kritik der Gegenwart im Zeitalter sozialer Medien und macht deutlich, wie eine Kritik in der Krise funktionieren kann. Durchzogen von persönlichen Einblicken in ihre Transidentität ist diese Sammlung an Essays und Kritiken ein furioses Plädoyer für eine kompromisslose Kulturkritik, die unbequem ist und vor nichts haltmacht.
Matthes + Seitz
978-3-7518-2191-9


