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Das Nichts und seine poetische Alternative

Zur Rezeptionsästhetik und Intertextualität in Thomas Bernhards Roman "Auslöschung. Ein Zerfall" (1986)

In Thomas Bernhards Opus magnum "Auslöschung. Ein Zerfall" (1986) nimmt der Topos des Nichts einen wichtigen Platz ein. Der Weg des Protagonisten Murau zum Zustand des Nichts lässt sich durch Schopenhauers Philosophie nachzeichnen: Während Murau durch die willentliche Auslöschung seiner Herkunft im familiären und geschichtlich-sozialen Sinne dem Schopenhauer'schen principium individuationis folgt, entspricht seine Einsicht in den unvermeidlichen Zerfallsprozess des irdischen Daseins eher der willensverneinenden Erkenntnis Schopenhauers. Das Nichts als Ergebnis seines Auslöschungs- und Zerfallsprozesses steht auch in Übereinstimmung mit Schopenhauers Philosophie, deren Zielpunkt das Nichts ist. Aber das Nichts ist nicht der Endpunkt von Muraus Denken, es ist nur ein Zustandsort, an den die Frage anknüpft, wie man in diesem Zustand des Nichts im lebenspraktischen Sinne weiterexistieren kann. Bereits auf den ersten Seiten des Romans werden in diesem Zusammenhang fünf Werke explizit genannt, auf die der Text immer wieder zurückkommt: Jean Pauls "Siebenkäs", Franz Kafkas "Der Prozess", Thomas Bernhards "Amras", Robert Musils "Die Portugiesin" und Hermann Brochs "Esch oder die Anarchie". Sie führen den Weg weiter, wo Schopenhauer zu philosophieren aufhört. Zwischen "Auslöschung" und diesen fünf Texten ist ein konstitutiver und kreativer Dialog festzustellen. Diese intertextuellen Beziehungen eröffnen nicht nur Muraus poetische Alternativen im Angesicht des Nichts, sondern auch neue Perspektiven für das Verständnis des Romans "Auslöschung".

April 2026, 211 Seiten, Schriftenreihe des Instituts für Deutsch als Fremdsprachenphilologie, Bd. 24, Deutsch
Iudicium Verlag
978-3-86205-466-4

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