Der Völkermordbegriff spaltet. Dass ein Akteur einen Genozid begeht, ist der denkbar schwerste Vorwurf - entsprechend vehement fallen die Abwehrversuche aus. Wie ein Kainsmal kann das Verdikt uber Generationen an Tätern und Täterstaaten haften. Umso wichtiger ist es, strukturelle Unschärfen des Konzepts genau und skeptisch zu verfolgen. Was in entsprechenden Debatten oft in den Hintergrund gerät: Zuallererst geht es bei Völkermord um Mord, um Massenmord, begangen an einer bestimmten Bevölkerungsgruppe. Andere Tathandlungen, die ebenfalls von der Völkermord-Konvention erfasst werden, sich aber nicht auf die unmittelbare physische Vernichtung beziehen, sollten nur ergänzend und nicht allein den Völkermord-Vorwurf begründen können.

