Sie bekamen schon in Bremen Heimweh und waren doch froher Hoffnung, dass sich der über Monate hinweg allmählich robuster werdende Entschluss zur Auswanderung nach Amerika schon in naher Zukunft vielfach lohnen würde. An einem der letzten Wintertage des Jahres 1868 stand die Familie Erharter aus Kitzbühel mit hunderten anderen Auswanderern aufgeregt und staunend vor dem großen Dampfsegler "Deutschland", der sie über den Atlantik nach New York bringen sollte. Es war dies der Beginn einer Odyssee durch den "Mittleren Westen" der Vereinigten Staaten, während der die schönen Visionen einer besseren Zukunft angesichts der rauen amerikanischen Wirklichkeit sehr bald ihren ursprünglichen Glanz verloren. Die Mehrheit jener Erwartungsfrohen, die in jener Zeit Europa den Rücken kehrten, wurde meist schon auf dem Auswandererschiff und spätestens nach der Ankunft in der "Neuen Welt" daran erinnert, dass der Weg zum "irdischen Paradies" mit sehr groben Steinen gepflastert ist. Auch jene Tiroler, Süddeutschen und Rheinländer, die ab 1857 ihr Glück in Südamerika suchten, sahen sich nach mehrwöchiger turbulenter Seefahrt am Zielort einer Existenzsituation gegenübergestellt, die meist um einiges miserabler war, als in der alten Heimat, die man aus unterschiedlichsten Gründen verließ, aber doch meist in der Erwartung, dass jenseits des großen Meeres der Wohlstand wartet. Euphorie und Jammer lagen in den Briefen und Botschaften von "drüben" im Wettstreit. Viel Aufschlussreiches zum "Auswanderungsfieber" im 19. Jahrhundert findet sich in diesem Buch.
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978-3-7693-7846-7

