Die Seele des Nebels

Gedichte aus Tschechien
Publié par:
Thill, Hans

Böhmen liegt am Meer? Die Sprecher der Tschechischen Republik als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026 folgen William Shakespeares wintermärchenhafter Vorstellung und sagen: ja, Tschechien liegt am Meer. Wer sich eingehend mit der Lyrik des Landes beschäftigt hat, kann dem nur zustimmen: Seit Menschengedenken ist es ein Leuchtturm in Sachen Poesie für den ganzen europäischen Kontinent. Die Anthologie präsentiert jüngste, junge und junggebliebene Stimmen, die einmal mehr ein poetisches Sprechen in den Fokus rücken, das von der konkreten Poesie bis zu den feinsten und sinnlichsten Einstimmungen in unsere Gegenwart reicht. Hier ist die Nacht 'voll von unsichtbarem Leuchten' (Tereza Binová), Gesichter erscheinen 'im Rund des Augenpaares' (Petr Váša), man 'flüstert mit der Kaffeepflanze' (Anna Šti¿ková) und das Land ist bevölkert von 'Schwebeschlangen' (Vojt¿ch Vacek), dem 'Tausendfüßler als mächtiges Raubtier' (Tereza Binová). Zuweilen ist es aber auch - umgekehrt - ein 'eingezäuntes Meer' (Daria Gordová). Aufregend Pavel Novotnýs Lautgedichte, die im wahren Wortsinn laut sind, ebenso die 'physischen' Texte Petr Vášas, bei denen es schon vorkommen kann, dass bei den 'Lokomotiven die Räder taumeln'. Die Anthologie erlaubt einen Blick in die aktuelle Szene des Ehrengasts Tschechien, die einen 'Akut setzt' (Paul Celan) und an Zeitgenossenschaft nichts zu wünschen übrig lässt. Gedichte von Tereza Bínová, Daria Gordová, Pavel Novotný, Anna Šti¿ková, Vojt¿ch Vacek und Petr Váša. Interlinearversionen von Martina Š¿astná und Alina Zarubina. Nachdichtungen von Marit Heuß, Róža Domašcyna, Marion Poschmann, Christian Schloyer, Tim Holland und Alexander Kappe.

mars 2026, 160 pages, Poesie der Nachbarn, Bd. 37, /Allemand
Wunderhorn
978-3-88423-745-8

Autres titres sur ce thème