Es kann immer weniger davon ausgegangen werden, dass gesellschaftliche Krisen so etwas wie abschließbare Episoden sind, an deren Ende ein distinktes Ergebnis steht, im besten Falle die Behebung des Krisenzustands. Im Gegenteil ist zu konstatieren, dass es ein konstantes Zugleich von unterschiedlichsten Krisen gibt; während der Pandemie verschwand ja etwa keineswegs die Klimakrise. Und die multiplen Krisen verlaufen meist nicht einfach parallel, sondern greifen ineinander und verstärken sich wechselseitig.
Die Beiträge des ersten Teils erörtern allgemein die Form von Krisen in der Gegenwart. Vor dem Hintergrund dieser Reflexionen werden in einem zweiten Teil konkrete empirische Beispiele diskutiert, einerseits in Gestalt verschiedener gesellschaftlicher Teilsysteme (Verwaltung, Bildung, Religion, Gesundheitsversorgung, Recht), andererseits anhand von systemübergreifenden Themen wie Energiesicherheit, Informationsversorgung oder dem Umgang mit der Pandemie.